VDMA Brennstoffzellen-Umfrage 2019 - Branche im Wandel

VDMA

Die Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland hat im Jahr 2018 rund 60 Millionen Euro Umsatz mit Brennstoffzellen-Heizgeräten und Stromversorgungsanlagen gemacht.

  • 120 Millionen Euro Umsatz aus der Produktion von Brennstoffzellen erwartet - nahezu Verdoppelung zum Vorjahr
  • 1.500 Arbeitsplätze in der deutschen Brennstoffzellen-Industrie
  • Weitere Entwicklung hängt stark von Mobilitätsanwendungen und Elektrolyse ab, Aufbau der Wertschöpfungskette läuft an.

Die Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland hat im Jahr 2018 rund 60 Millionen Euro Umsatz mit Brennstoffzellen-Heizgeräten und Stromversorgungsanlagen gemacht. Der Umsatz blieb deutlich hinter den beiden Vorjahren und auch den Erwartungen zurück, weil wichtige Zulieferer aus dem Markt gingen und einzelne Unternehmen sich neu orientiert haben. Zudem ist das Geschäft mit stationären Systemen weiterhin stark rückläufig. Für das laufende Jahr macht die Konjunkturumfrage der VDMA Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen (AG BZ) aber Hoffnung: Mit dem erfolgreichem Abschluss der Restrukturierungen und deutlichen Steigerungen im Zulieferbereich sollte sich der Umsatz fast verdoppeln und die Branche wieder zurück auf den Wachstumspfad kommen.

120 Millionen Euro Umsatz in 2019 mit Brennstoffzellen-Systemen und Komponenten

Getragen wird diese Entwicklung weiter vom erfolgreichen Marktanlauf im Bereich der Brennstoffzellen-Heizgeräte und dem stetigen Wachstum auf speziellen Märkten, wie zum Beispiel der unterbrechungsfreien Stromversorgung für kritische Infrastrukturen. Für beide Bereiche spielen die entsprechenden Förderprogramme weiter eine entscheidende Rolle. Sowohl das Technologieeinführungsprogramm KfW 433 für Brennstoffzellen-Heizgeräte als auch die Marktaktivierung von Brennstoffzellensystemen zur autarken Energieversorgung von kritischen und netzfernen Infrastrukturen, zum Beispiel für Behördenfunk, sollten deshalb fortgesetzt werden.

Elektrolyseure für die Wasserstofferzeugung werden derzeit breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Umsätze hieraus sowie aus dem Mobilitätsbereich fließen jedoch nur durch wachsende Umsätze von Zulieferern ein. Die Exportanteile der gesamten Brennstoffzellenbranche zeigen ein sehr heterogenes Bild. Sie liegen teilweise bei über 80 Prozent und sind Indikator für die technologische Stärke der Komponentenhersteller, aber auch der besseren Marktbedingungen in Nordamerika und Asien.

Ehrgeizige politische Ziele in China, bei denen es zwar auch zu Rückschlägen gekommen ist, sowie Ankündigungen aus Korea und Japan zeigen, dass in den nächsten zwei Jahren im Mobilitätssektor weitreichende Entscheidungen zu erwarten sind.

Dies dürfte spürbare Auswirkungen auf die globale Brennstoffzellen-Industrie und die Umsätze in Deutschland haben. Deshalb gilt es jetzt auch, die richtigen Weichenstellung für den Standort Deutschland zu treffen.

Dr. Manfred Stefener, Vorstandsvorsitzender der VDMA AG BZ, sieht im Mobilitätsbereich  sehr gute Wachstumschancen: „Die politische Diskussion im Mobilitätsbereich in Deutschland fokussiert stark auf den Pkw-Sektor. Was dabei vernachlässigt wird, ist der für den Klimaschutz mindestens genauso wichtige Bereich der Heavy-Duty-Anwendungen. Bei Nutzfahrzeugen, Bussen, Kommunalfahrzeugen und Bahnen sowie in der Schifffahrt kommen die Vorteile der Brennstoffzelle – geringes Gewicht, kurze Betankungszeit und damit hohe Reichweiten sowie die Flexibilität im Einsatz – voll zur Geltung. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, eine Wertschöpfungskette aufzubauen, um die bereits vorhandenen und stark entwickelnden Bedarfe befriedigen zu können.“

1.500 Arbeitsplätze in 2019 in der Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland

Die direkte Beschäftigung in der Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland wächst moderat. „Im Jahr 2018 arbeiteten etwa 1400 Menschen in den befragten Bereichen. Für das laufende Jahr rechnen Unternehmen mit einem Zuwachs auf 1500 Beschäftigte“, sagt Gerd Krieger, Geschäftsführer der VDMA AG BZ. Sollte sich, wie dies von den Teilnehmern der Umfrage erwartet wird, die Zahl der in Deutschland installierten und exportierten Brennstoffzellen-Heizgeräten und Netzersatzanlagen im Jahr 2024 auf 90.000 erhöhen und der Umsatz auf 700 Millionen Euro anwachsen, dürfte die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich weiter auf dann rund 2700 Mitarbeiter ansteigen.

Elektrolyse – Schlüssel zur Energiewende in vielen Bereichen

Im Jahr 2018 war Wasser-Elektrolyse mit weniger als 100 MW Installation weltweit nur ein Randbereich innerhalb der Brennstoffzellen-Wasserstoff-Industrie. Mehr und mehr setzt sich aber die Überzeugung durch, dass eine weitgehende Dekarbonisierung nicht ohne „Moleküle“, also Wasserstoff, erreicht werden kann. Viele Länder arbeiten deshalb aktuell an Wasserstoffstrategien. Europa hat hierbei derzeit noch eine technologische Spitzenstellung. Diese muss industriepolitisch genutzt werden. Die Förderung von Reallaboren ist ein erster Schritt, kann aber keine breite Markteinführung ersetzen.

Technologisch sind die Unterschiede zwischen Brennstoffzellen und Elektrolyseuren gering. Dem Aufbau der Wertschöpfungskette kommt für die Entwicklung eines Massenmarktes in allen Bereichen eine Schlüsselrolle zu. „Diesen Prozess durch Vernetzung der Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu unterstützen, wird eine wichtige Aufgabe der AG BZ in den nächsten zwei Jahren darstellen“, sagt Krieger.   

Globale Brennstoffzellenindustrie schafft Voraussetzungen für Markthochlauf

Weltweit wurden im Jahr 2018 nach einer Branchenbefragung des Beratungsunternehmens E4tech 74.000 Brennstoffzellen-Systeme ausgeliefert, was einer elektrischen Leistung von zusammen etwas über 800 Megawatt entspricht. Franz Lehner, Managing Consultant bei E4tech bekräftigt: "Im Jahr 2018 gab es zwar weiterhin kein exponentielles Wachstum, dennoch war es ein gutes Jahr für die Brennstoffzellenbranche. Japan, Korea und China haben ihre Ambitionen bekräftigt und wichtige neue Akteure, insbesondere auch Automobilzulieferer aus Europa, investieren in Fertigungskapazitäten für Brennstoffzellen, um am erwarteten Wachstum teilzuhaben. Die Branche befindet sich in einem rasanten Wandel, der auch 2019 andauern wird.“

VDMA-Umfrage

Die seit 2009 alle zwei Jahre durchgeführte Umfrage zeigt, dass die Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland wieder wächst. Industrie und Politik erkennen die Relevanz von Brennstoffzellen-Technologien für die Energiewende im Gebäude sowie bei der Not- und Bordstromversorgung. Wichtige Weichenstellung im Mobilitätsbereich und bei der Nutzung von Elektrolyse-Wasserstoff stehen leider weiter aus. Mit den Ergebnissen der Umfrage 2019, an der 30 Unternehmen, d. h mehr als 50 % der Mitglieder teilgenommen haben, liefert der VDMA erneut Kennzahlen zu Umsatz, Beschäftigung und Marktentwicklung. Statistik und Prognose bieten Entscheidungsgrundlagen für den Ausbau der Brennstoffzellen-Industrie in Deutschland und verdeutlichen die industrielle und energiewirtschaftliche Bedeutung.

Interview mit Dr. Manfred Stefener und Gerd Krieger im Public Forum der H2FC Fair in Halle 27 auf der HM 2019

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